Türkei überholt Griechenland als ökonomisches Sorgenkind

Länderrisikobericht der Kreditversicherungsmakler

Die Türkei ist mittlerweile bereits riskanter als Griechenland. Dies zeigt der aktuelle Länderrisikobericht (G-Grade) der internationalen Kreditversicherungsmakler. „Wir sprechen hier nicht über Börsenkurse, sondern über die Realwirtschaft“, mahnt Peter Androsch, Geschäftsführer von Österreichs führendem Kreditversicherungsmakler A.C.I.C. Für österreichische Exporteure spielen Länderrisiken eine wichtige Rolle, da dieser Faktor in die Entscheidung über die Versicherbarkeit von Lieferforderungen einfließt. Österreich liefert in die Türkei pro Jahr Waren im Wert von EUR 1,31 Milliarden und Dienstleistungen im Wert von EUR 589 Millionen.

 

Am 15. September jährt sich die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers zum zehnten Mal. Weder Analysten noch Ratingagenturen hatten das Szenario damals kommen sehen. In weiterer Folge kamen große Länder wie Italien und Spanien ins Straucheln, Griechenland wandelte gar am wirtschaftlichen Abgrund. „Die politischen Risiken von Staaten und die Geschwindigkeit der Veränderungen werden von den Unternehmen heutzutage noch immer stark unterschätzt“, sagt Peter Androsch, Geschäftsführender Gesellschafter bei Österreichs führender Kreditversicherungsmaklergesellschaft A.C.I.C. In der Kreditversicherungsbranche spielen die Länderrisiken bei der Absicherbarkeit einzelner Kunden und Geschäftsfälle eine nicht unwesentliche Rolle. Da Kreditversicherer im Fall einer Fehleinschätzung hohe Versicherungssummen zahlen müssen, sind sie im Gegensatz zu anderen Auguren zudem sehr erpicht darauf, dass sie mit ihren Prognosen nicht danebenliegen.

 

Stahl, Traktoren und Zuchtrinder aus Österreich sind gefragt

Insofern sind die Daten im Länderrisikohandbuch von A.C.I.C. zum 3. Quartal 2018 alarmierend. Basis dafür ist das G-Grade des internationalen Kreditversicherungsmaklernetzwerks AU Group. Die Türkei wird ab sofort als riskanter angesehen als Griechenland. Der G-Grade hat sich aufgrund des positiven Trends beim BIP und anderer Faktoren in Griechenland von 7,5 auf 6,3 verbessert. In der Türkei hingegen stieg der Wert aufgrund des Wertverfalls der Lira und anderer Umstände von 6 auf 6,75. Zum Vergleich: Österreich kommt auf einen sehr guten G-Grade-Wert von 1,3. Die Verschlechterung in der Türkei bedeutet für österreichische Lieferanten, die sich gegen einen Zahlungsausfall ihrer türkischen Kunden absichern wollen, dass dieses Vorhaben immer schwieriger wird. Österreich exportierte zuletzt in die Türkei Waren im Wert von EUR 1,31 Milliarden pro Jahr und Dienstleistungen im Wert von EUR 589 Millionen. Die größten Zuwächse gab es im vorigen Jahr bei Stahl- und Eisenexporten (+47 %), Zugmaschinen und Kfz (+53 %) sowie Mess- und Prüfinstrumenten (+20 %), wie die Außenhandelsdaten zeigen. Mit mehr als 17.500 exportieren Tieren ging zudem bereits mehr als die Hälfte aller Zuchtrinderexporte Österreichs in die Türkei.

Kreditversicherer prüfen die Geschäftspartner detaillierter

„Wir sprechen hier nicht über Börsenkurse, sondern über die Realwirtschaft“, mahnt Androsch den Ernst der Lage ein, unterstreicht aber zugleich, dass die Kreditversicherer nicht generell von der Absicherung türkischer Risiken Abstand genommen hätten. „Wir beobachten aber, dass sich einige Versicherer die türkischen Geschäftspartner der österreichischen Unternehmen detaillierter ansehen und teilweise bereits Reduktionen oder gar Aufhebungen der Deckungssummen bei künftigen Geschäften vornehmen“, wie Androsch erzählt. Vor allem türkische Unternehmen, die stark von Importen abhängig sind, stehen unter stärkerer Beobachtung, da durch den Wertverlust der Lira Importe ungemein teurer geworden sind.

Was österreichische Unternehmen jetzt tun können

Androsch empfiehlt den österreichischen Unternehmen, dass sie ihre türkischen Geschäftskunden dazu anhalten mögen, aktiv das Gespräch mit den Kreditversicherern zu suchen. Ähnlich wie man bei einer Bankfinanzierung seine Hausbank stets auf dem Laufenden halten sollte, sei bei einem Lieferantenkredit eine aktive, offene und regelmäßige Kommunikation für die Vertrauensbildung ungemein wichtig. „Sobald ein österreichischer Lieferant eine Geschäftsbeziehung mit einem türkischen Kunden versichern will, beginnen die Kreditversicherer zu recherchieren. Daher ist es wichtig, präventiv über das eigene Businessmodell zu informieren, die Geschäftszahlen zu erläutern und darzulegen, wie das Unternehmen beabsichtigt, die schwierigen ökonomischen Rahmenbedingungen im Land zu meistern“, verrät Androsch, dessen Unternehmen in Österreich bereits rund EUR 14 Milliarden an kreditversicherten Umsätzen betreut. Zudem sei es wichtig, die Angebote der Kreditversicherer laufend zu beobachten und einem Vergleich zu unterziehen.

Die Chancen des Welthandels dennoch optimal nutzen

„Spektakuläre Pleiten sollten uns ein Mahnmal sein, dass Geschäftsberichte ab dem Zeitpunkt, ab dem sie erstellt wurden, bereits veraltet sind. Sie sollten uns zudem vor Augen führen, dass sich politische Risiken heute viel rasanter verändern als früher. Zugleich geht es aber auch darum, dass Unternehmen mit einem ausgefeilten Risikomanagement dennoch die Chancen des Welthandels optimal nutzen können“, plädiert der Experte.

Der vollständige Länder-Report kann unter folgendem Link kostenlos abgerufen werden: G-Grade Report

 

Fotos, Abdruck honorarfrei

Peter Androsch, Geschäftsführender Gesellschafter A.C.I.C © Jeff Mangione

Download Presseaussendung

Download Foto Peter Androsch

Download "Die auffälligsten Veränderungen zu Q2-2018" (JPG)

Download "Die auffälligsten Veränderungen zu Q2-2018" (PDF)

 

Information

A.C.I.C. Kreditversicherungsmakler GmbH
Austrian Credit Insurance Counsel
Neutorgasse 13/3
1010 Wien
Tel: + 43 1 367 0853 0
E-Mail: office@acic.at

 

Für Rückfragen:

Manfred Haider
Himmelhoch GmbH
Tel.: + 43 650 856 98 81
E-Mail: manfred.haider@himmelhoch.at

<< zurück zur Übersicht
zurück zur Übersicht